Wann und warum entstanden Schmalspurbahnen -
und warum sind die meisten heute verschwunden?




Als Vorbild und Modell ein Exot: VT 137 600         (Anlagenbau: Horst Gasthaus)

Mit der Technik und den Fahrzeugen exportierte die weltweit führende englische Lokomotivindustrie im frühen 19. Jahrhundert auch ihre Maße und Normen in die Abnehmerländer, unter anderem die Spurweite von 1435 mm. Sie setzte sich als "Normalspur" durch, so dass grenzüberschreitende Bahnverbindungen möglich waren. Nur wenige europäische oder überseeische Länder haben ein Eisenbahnnetz mit davon abweichender Spurweite.

Wir sprechen von "Breitspur", wenn die Spurweite mehr als 1435 mm beträgt, von "Schmalspur" bei geringeren
Spurweiten.

Für Feld- und Werksbahnen bestanden schon zur "Vor-Lokomotiv-Zeit" Schienenwege für den Verschub von Hand oder per Pferdezug. Sie wurden zum Teil nach und nach für Lokomotivbetrieb verstärkt. Auch neu entstehende Bahnen wurden aus Profilgründen (Bergbau!) oder aus Kostengründen mit kleinerer Spurweite angelegt, wenn die Leistungsfähigkeit der Vollbahn nicht erforderlich war. Von 400 bis über 1000 mm war in Deutschland jedes Spurweitenmaß zu finden.

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Nach dem Ausbau eines deutschen Hauptbahnnetzes begannen staatliche und private Bahngesellschaften mit der Anlage erster Nebenbahnen: Die Eisenbahn erschloss die Fläche. Dabei wurden nur solche Linien projektiert und realisiert, die Rendite versprachen. Nicht überall in dünn besiedelter oder wirtschafts-schwacher Region fiel die Kalkulation Erfolg versprechend aus. Andererseits erwies sich sehr bald, dass Regionen mit Bahnanschluss wirtschaftlich aufblühten, Gemeinden ohne Bahnanschluss dagegen von der Wirtschaftsentwicklung förmlich abgeschnitten waren und am allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung nicht teilnahmen.

Einen Ausweg bot die Anlage schmalspuriger Eisenbahnstrecken: Nach einer in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts gültigen Faustformel betrug das Investitionsvolumen für eine meterspurige Bahn nur etwa die Hälfte bis 2/3 dessen, was eine normalspurige Bahn kostete, bei 750 mm Spurweite kam man mitunter gar mit einem Drittel aus. So rechnete sich dann auch manche Strecke mit einer niedrigen Einnahmen-Erwartung.


1892 erließ Preußen das Kleinbahngesetz, das die gesetzlichen Anforderungen für Bau und Betrieb von Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung drastisch reduzierte. Vielen deutsche Staaten folgten nahezu inhaltsgleich diesem Beispiel. Diese Gesetzgebung bildete die Grundlage für einen wahren Nebenbahn-Bauboom, in dessen Verlauf etliche Nebenbahnen schmalspurig verwirklicht wurden. Als Standard-Spurweiten bildeten sich in Deutschland 600, 750 und 1000 mm heraus, es gab aber auch Bahnen mit davon abweichender Spur.



In Vorbild und Modell unsterblich: sächs. IV K             (Anlagenbau: Horst Gasthaus/Carsten Petersen)

Das Nebenbahnsterben nach dem 2. Weltkrieg erfasste natürlich auch die Schmalspurbahnen. Kaum eine hat überlebt. Heute haben die verbliebenen Betriebe oft den Charakter von Touristenattraktionen oder lebenden Museen. Die Zeit hat das Verkehrsmittel überholt - dennoch ist sein Charme Grund und Anlass genug, sich mit ihm auch heute noch in Vorbild oder Modell zu befassen. Schmalspurmuseen halten das Andenken wach.

Unter "Vorbild-Info/Schmalspurbetriebe" finden Sie eine Auflistung der heute noch existierenden deutschen Schmalspurbahnen des öffentlichen Verkehrs ebenso wie Kurzportraits eingestellter Bahnen, die aus den verschiedensten Gründen besonders erwähnenswert erscheinen.